Inkasso beauftragen: Kosten, Ablauf und der Weg zum Titel
- Stand
- 12.10.2026
- Rechtsgrundlage
- § 79 Abs. 2 ZPO
Wer ein Inkasso beauftragen möchte, hat meist schon außergerichtlich gemahnt - und braucht somit oft eigentlich keine weitere Mahnung, sondern einen Titel. Den bringt kein Inkassoschreiben, sondern erst der Mahnbescheid und der Vollstreckungsbescheid danach.
Kurz gefasst
- Ein Inkassounternehmen muss beim Bundesamt für Justiz registriert sein, § 10 Abs. 1 RDG. Im Mahnverfahren dürfen registrierte Rechtsdienstleister für Inkassodienstleistungen bis zur Abgabe an das Streitgericht vertreten, § 79 Abs. 2 ZPO.
- Die Kosten trägt der Schuldner erst ab Verzug, § 280 Abs. 2 BGB, und nur bis zur Höhe der Anwaltsvergütung, § 13e Abs. 1 RDG.
- Für eine unbestrittene Forderung sind das höchstens 0,9 Geschäftsgebühren, außer die Arbeit war besonders umfangreich oder schwierig; zahlt der Schuldner binnen zwei Wochen nach der ersten Aufforderung, in der Regel 0,5, Nr. 2300 VV RVG.
- Die Verjährung hemmt erst der zugestellte Mahnbescheid, § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB – kein Inkassoschreiben.
- Arbeiten Inkassounternehmen und Anwalt nacheinander, ersetzt der Schuldner in der Regel nur, was der Anwalt allein gekostet hätte, § 13f RDG.
Inkasso beauftragen: was ein Auftrag ändert und was nicht
Ob Sie ein Inkassobüro oder ein Inkassounternehmen beauftragen, macht keinen Unterschied – beide Wörter meinen dasselbe. Auf Rechnung, Erinnerung und Mahnungen hat der Schuldner weder gezahlt noch geantwortet. Naheliegend wirkt jetzt ein Schreiben mit fremdem Briefkopf – und genau hier lohnt der Blick darauf, was dieser Auftrag rechtlich bewirkt.
Ein Inkassounternehmen zieht Ihre Forderung für Sie ein, meist in Ihrem Namen. Es schreibt, erinnert, ruft an und verhandelt über Raten. Rechtlich bleibt all das der außergerichtliche Teil. Es entsteht kein Titel, mit dem ein Gerichtsvollzieher vollstrecken könnte, und die Verjährung läuft weiter, solange der Schuldner weder verhandelt noch anerkennt, § 203 BGB und § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB. Aus eigener Kraft anhalten können Sie sie erst mit der Zustellung des Mahnbescheids, § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB.
Wirkungslos ist ein Inkassoschreiben deshalb nicht. Wer zahlen kann und die Rechnung verdrängt hat, zahlt oft auf den ersten fremden Briefkopf. Wer nicht zahlen will, ändert seine Haltung selten wegen eines weiteren Briefs, eher dann, wenn das Mahngericht einen Bescheid zustellt und ihm zwei Wochen für den Widerspruch bleiben, § 692 Abs. 1 Nr. 3 ZPO.
Frist
Endet die Verjährung zum 31. Dezember, rettet sie kein Inkassoauftrag im Dezember. Es kommt darauf an, dass der Antrag auf den Mahnbescheid vorher beim Mahngericht eingeht; wird er danach demnächst zugestellt, wirkt die Hemmung auf den Tag des Eingangs zurück, § 167 ZPO. Welche Jahrgänge gerade ablaufen, steht unter wann die Forderung verjährt.
Wann Sie ein Inkassounternehmen einschalten können
Rechtlich jederzeit, auch ohne vorherige Mahnung. Die eigentliche Frage ist, wer die Kosten trägt. Der Schuldner ersetzt sie nur als Verzugsschaden, § 280 Abs. 2 BGB, also nur, wenn er bei der Beauftragung schon in Verzug war.
In Verzug gerät er meist auf einem von drei Wegen. Der häufigste ist die Mahnung nach Fälligkeit, § 286 Abs. 1 BGB. War im Vertrag ein Zahlungstermin nach dem Kalender vereinbart, etwa „zahlbar bis 15.03.“, braucht es keine Mahnung, § 286 Abs. 2 BGB; ein Datum, das nur auf der Rechnung steht, genügt nicht. Bei einer Entgeltforderung tritt Verzug spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ein; gegenüber einem Verbraucher gilt das nur, wenn die Rechnung auf diese Folge hinweist, § 286 Abs. 3 BGB. Wie oft und in welchem Ton gemahnt werden sollte, steht unter wie viele Mahnungen sinnvoll sind.
Bevor Sie die Forderung abgeben, sollte beisammen sein:
- Rechnung oder Vertrag, aus dem Betrag und Fälligkeit hervorgehen.
- Ihre Mahnungen mit Datum – falls es welche gibt.
- Die aktuelle Anschrift des Schuldners – ohne sie kommt weder ein Schreiben noch ein Bescheid an.
- Was der Schuldner bisher eingewandt hat.
Ob die Forderung schon reif für das Gericht ist, zeigt die Prüfliste im Beitrag zum außergerichtlichen Mahnverfahren: wann der Wechsel zum Mahngericht sinnvoll ist.
Der letzte Punkt entscheidet über den Weg. Hat der Schuldner die Forderung mit Gründen bestritten – Mängel, falsche Abrechnung, kein Vertrag -, wird er voraussichtlich auch dem Mahnbescheid widersprechen, und die Sache geht auf Antrag an das Streitgericht, § 696 Abs. 1 ZPO. Dort ist ein Anwalt der richtige Ansprechpartner; ein Inkassounternehmen vertritt Sie im streitigen Verfahren nicht mehr, § 79 Abs. 2 ZPO.
Was ein Inkassoauftrag kostet und wer am Ende zahlt
Was ein Inkassounternehmen für seine außergerichtliche Arbeit vom Schuldner ersetzt verlangen kann, bemisst sich wie beim Anwalt: nach der Geschäftsgebühr des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes, die mit der Höhe der Forderung steigt. Für eine unbestrittene Forderung ist sie gedeckelt. Mehr als 0,9 Gebühren gibt es nur bei besonders umfangreicher oder schwieriger Arbeit, und zahlt der Schuldner binnen zwei Wochen nach der ersten Aufforderung, in der Regel nur 0,5, Nr. 2300 VV RVG. Mehr muss der Schuldner nicht ersetzen, § 13e Abs. 1 RDG; was Ihr Vertrag mit dem Inkassounternehmen über diese Grenze hinaus vorsieht, bleibt bei Ihnen.
Was das in Euro bedeutet, zeigt die Tabelle. Die letzte Spalte nennt zum Vergleich den Antrag beim Mahngericht über uns.
| Forderung bis | Inkasso 0,9 brutto | Inkasso 0,5 brutto | Mahnbescheid über uns |
|---|---|---|---|
| 500,00 € | 66,19 € | 36,77 € | 111,54 € |
| 1.000,00 € | 119,52 € | 66,40 € | 170,80 € |
| 1.500,00 € | 167,85 € | 96,03 € | 224,86 € |
| 2.000,00 € | 212,30 € | 125,66 € | 284,74 € |
| 5.000,00 € | 403,47 € | 234,73 € | 530,91 € |
Die Tabelle zeigt das Verhältnis, auf das es ankommt. Das Inkassoschreiben kostet nicht viel weniger als der Antrag beim Mahngericht, bringt aber keinen Titel – und bleibt der Schuldner stumm, führt der Weg danach doch zum Gericht.
Dass der Schuldner die Kosten ersetzen muss, hilft nur, wenn bei ihm etwas zu holen ist. Was Sie tragen, wenn er nicht zahlen kann, regelt allein Ihre Vergütungsvereinbarung mit dem Inkassounternehmen, die der Textform bedarf, § 13c Abs. 1 RDG: ob eine Erfolgsprovision anfällt, wer die Auslagen trägt, was ein Abbruch kostet. Bei der Umsatzsteuer gilt eine Besonderheit. Können Sie sie als Vorsteuer abziehen, ersetzt der Schuldner sie nicht. Verlangt das Inkassounternehmen von einer Privatperson Umsatzsteuer, muss es erklären, dass Sie sie nicht als Vorsteuer abziehen können, § 13a Abs. 1 RDG.
Achtung
Wer erst ein Inkassounternehmen und dann einen Anwalt beauftragt, bleibt auf einem Teil der Kosten sitzen. Der Schuldner muss nur ersetzen, was der Anwalt allein gekostet hätte, § 13f RDG. Anders liegt es nur, wenn der Schuldner die Forderung erst nach dem Inkassoauftrag bestreitet und deshalb ein Anwalt nötig wird.
Stellen wir den Antrag, steht unsere Vergütung im Mahnbescheid bei den Kosten des Verfahrens neben der Gerichtsgebühr. Vom Schuldner ersetzt verlangen kann sie der Gläubiger bis zur Höhe der Anwaltsvergütung, § 13e Abs. 1 RDG. Widerspricht der Schuldner nicht, kommen beide in den Vollstreckungsbescheid, § 699 Abs. 3 ZPO, und am Ende trägt sie, wer unterliegt, § 91 Abs. 1 ZPO. Die vollständige Staffel bis 50.000,00 € steht unter Gerichtsgebühr und Vergütung nach Streitwert.
Inkasso oder Mahnbescheid – und wann der Anwalt der richtige Weg ist
Nach der letzten Mahnung bleiben drei Wege: ein Inkassoschreiben, ein Anwaltsschreiben oder der Antrag auf den Mahnbescheid. Sie unterscheiden sich weniger im Ton als darin, was am Ende in Ihrer Hand ist.
Inkasso beauftragen
Drei Wege, wenn die Mahnung nicht reicht
Inkassoschreiben
außergerichtlich
- Kein Titel
- Die Verjährung läuft weiter
- Kosten ab Verzug bis zur Höhe der Anwaltsvergütung
Anwaltsschreiben
außergerichtlich
- Kein Titel
- Die Verjährung läuft weiter
- Der Anwalt kann danach auch den Streit führen
Mahnbescheid
gerichtlich
- Verjährung gehemmt ab Zustellung
- Ohne Widerspruch Vollstreckungsbescheid als Titel
- Vertretung durch Anwalt oder Rechtsdienstleister für Inkassodienstleistungen
Der Vollstreckungsbescheid ist ein Vollstreckungstitel, § 794 Abs. 1 Nr. 4 ZPO.
Die beiden Schreiben wirken gleich: Sie setzen den Schuldner unter Druck, schaffen aber keinen Titel und halten die Verjährung nicht an. Der Mahnbescheid tut beides. Ab der Zustellung ist die Verjährung gehemmt, § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB, und widerspricht der Schuldner nicht, folgt der Vollstreckungsbescheid, ein Vollstreckungstitel, § 794 Abs. 1 Nr. 4 ZPO. Ist die Forderung unstreitig und der Schuldner schweigt, ist der Mahnbescheid deshalb der direkte Weg.
Beim Geld liegen die Wege näher beieinander, als oft angenommen wird. Für das Schreiben zu einer unbestrittenen Forderung gilt beim Anwalt dieselbe Grenze von 0,9 Gebühren wie beim Inkassounternehmen, Nr. 2300 VV RVG. Im Mahnverfahren rechnet der Anwalt eine Verfahrensgebühr von 1,0 ab, Nr. 3305 VV RVG, und bis zu genau dieser Höhe kann der Gläubiger auch unsere Vergütung vom Schuldner ersetzt verlangen, § 13e Abs. 1 RDG. Teurer wird der Weg über den Anwalt nicht durch den Gebührensatz, sondern durch die zusätzliche Stufe vor dem Gericht – und durch § 13f RDG, wenn Inkassounternehmen und Anwalt nacheinander tätig werden.
Der Anwalt ist der richtige Weg, wenn die Forderung streitig ist: wenn Ihr Kunde aufrechnet, Mängel geltend macht oder bestreitet, überhaupt einen Vertrag geschlossen zu haben. Dann endet ein Mahnverfahren im Widerspruch. Im streitigen Verfahren vertritt Sie kein Inkassounternehmen mehr, § 79 Abs. 2 ZPO, und vor dem Landgericht muss sich jede Partei durch einen Anwalt vertreten lassen, § 78 Abs. 1 ZPO. Was in diesem Fall vorher zu klären ist, steht im Ratgeber zur unbezahlten Rechnung: wenn der Kunde Mängel rügt.
Ein vierter Weg ist der Verkauf der Forderung. Dann gehört sie dem Käufer, Sie erhalten einen Teil des Betrags, und mit Inkasso im Auftrag hat das nichts mehr zu tun.
Druck ersetzt keinen Titel: woran Sie ein gutes Inkasso erkennen
Ein Inkassounternehmen handelt in Ihrem Namen, und in jedem seiner Schreiben stehen Sie. Gegenüber einer Privatperson muss schon das erste Schreiben den Auftraggeber nennen, den Grund der Forderung, die Berechnung der Zinsen, die Inkassokosten nach Art und Höhe und die zuständige Aufsichtsbehörde, § 13a Abs. 1 RDG.
Was dort überzogen ist, fällt auf Sie zurück. Beim Kunden, der danach nicht wiederkommt. Und im Verfahren: Eine überhöhte Nebenforderung kann das Mahngericht beanstanden, und bis zur Klärung bleibt der Antrag liegen. Druck ersetzt keinen Titel. Anrufe und immer neue Schreiben bewegen den, der zahlen kann; wer nicht will, sitzt sie aus, bis ein Gericht beteiligt ist.
Vor der Beauftragung eines Inkassobüros lohnen drei Fragen. Ist das Unternehmen im Rechtsdienstleistungsregister eingetragen? Ohne diese Registrierung darf ein Inkassounternehmen nicht tätig werden, § 10 Abs. 1 RDG. Steht schriftlich fest, was Sie zahlen, wenn beim Schuldner nichts zu holen ist? Und beantragt das Unternehmen den Mahnbescheid selbst, oder schreibt es nur? Einen amtlichen Test für Inkassounternehmen gibt es nicht; die Registrierung ist die Prüfung, die das Gesetz verlangt.
Mahnungen und Anrufe übernehmen wir nicht. Fehlt vor dem Antrag noch ein Schritt, etwa die Mahnung, die den Verzug erst auslöst, sagen wir Ihnen, was hineingehört; unser Teil beginnt beim Mahngericht.
Inkasso beauftragen als Privatperson
Gläubiger ist nicht nur, wer ein Gewerbe hat. Wer privat ein Auto verkauft, Geld verliehen oder ein Zimmer untervermietet hat, kann seine Forderung genauso abgeben. In der Praxis ist das schwieriger, als es klingt: Manche Inkassounternehmen nehmen nach ihren eigenen Bedingungen nur Aufträge von Unternehmen an.
Für den privaten Gläubiger gelten andere Zahlen als unter Unternehmen. Verzugszinsen betragen fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, § 288 Abs. 1 BGB, denn neun Prozentpunkte gibt es nur bei Geschäften ohne Verbraucher, § 288 Abs. 2 BGB – und wer privat verkauft, ist Verbraucher, § 13 BGB. Die Pauschale von 40,00 € kann nur verlangen, wessen Schuldner kein Verbraucher ist, § 288 Abs. 5 BGB.
Hinweis
Schuldet Ihnen eine Privatperson Geld aus einer Rechnung, gerät sie nach 30 Tagen nur dann von selbst in Verzug, wenn die Rechnung darauf hinweist, § 286 Abs. 3 BGB. Fehlt der Hinweis und war kein Zahlungstermin nach dem Kalender vereinbart, braucht es eine Mahnung, bevor ein Inkassoauftrag auf ihre Kosten geht.
Ein Beispiel. Sie haben Ihr Auto privat verkauft, 2.000,00 € des Kaufpreises sind offen, zwei Mahnungen blieben ohne Antwort. Ein Inkassoschreiben über diesen Betrag kostet nach der Tabelle oben bis zu 212,30 €, und es endet ohne Titel, wenn der Käufer weiter schweigt. Der Mahnbescheid über uns kostet 284,74 €, Gerichtsgebühr und Vergütung zusammen. Mit der Zustellung ist die Verjährung gehemmt, und schweigt der Käufer zwei Wochen, lässt sich der Vollstreckungsbescheid beantragen.
Auch als Privatperson stellen Sie den Antrag bei uns über dasselbe Formular wie ein Unternehmen; welches Mahngericht zuständig ist, ermitteln wir.
Inkasso online beauftragen: so läuft Ihr Auftrag bei uns
Bei uns heißt Inkasso: der Antrag auf den Mahnbescheid. Wir sind registrierter Rechtsdienstleister für Inkassodienstleistungen, § 10 Abs. 1 RDG, und dürfen Sie im Mahnverfahren und in der Zwangsvollstreckung in das bewegliche Vermögen vertreten, § 79 Abs. 2 ZPO.
Sie geben Forderung und Schuldner online an. Wir ordnen die Forderung der richtigen Katalognummer zu und beziffern Zinsen und Kosten als Nebenforderungen, jede für sich, § 690 Abs. 1 Nr. 3 ZPO. Mit mahnbescheid.de geht der Antrag elektronisch beim zuständigen Mahngericht ein. Nach der Zustellung hat der Schuldner zwei Wochen für den Widerspruch, § 692 Abs. 1 Nr. 3 ZPO; schweigt er, muss der Vollstreckungsbescheid binnen sechs Monaten ab Zustellung beantragt werden, § 701 ZPO. Diese Fristen überwachen wir.
Wie die einzelnen Stationen aussehen, zeigt der Ablauf des gerichtlichen Mahnverfahrens. Was mit dem Titel geschieht, steht unter Antrag auf Vollstreckungsbescheid.
Häufige Fragen
Ab wann kann man ein Inkasso beauftragen?
Jederzeit: Wann Sie ein Inkasso-Unternehmen beauftragen, schreibt das Gesetz nicht vor. Ersetzt bekommen Sie die Kosten aber nur, wenn der Schuldner bei der Beauftragung schon in Verzug war, § 280 Abs. 2 BGB.
Kann ich ein Inkasso ohne vorherige Mahnung beauftragen?
Ja. Ohne Mahnung ist der Schuldner aber nur in den Fällen des § 286 Abs. 2 BGB in Verzug, vor allem bei einem vereinbarten Zahlungstermin nach dem Kalender, oder wenn bei einer Rechnung 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang vergangen sind, gegenüber Verbrauchern nur mit Hinweis auf der Rechnung, § 286 Abs. 3 BGB. Sonst tragen Sie die Inkassokosten selbst.
Kann ich als Privatperson ein Inkasso beauftragen?
Ja, beauftragen dürfen Sie wie ein Unternehmen. Manche Inkassounternehmen nehmen allerdings nur Aufträge von Unternehmen an. Den Mahnbescheid beantragen wir für private Gläubiger wie für Unternehmen.
Was kostet es mich, ein Inkasso zu beauftragen?
Gegenüber dem Schuldner sind für eine unbestrittene Forderung in der Regel höchstens 0,9 Geschäftsgebühren erstattungsfähig, Nr. 2300 VV RVG und § 13e Abs. 1 RDG; die Beträge nach Forderungshöhe stehen in der Tabelle oben. Was Sie selbst zahlen, wenn beim Schuldner nichts zu holen ist, regelt Ihr Vertrag mit dem Inkassounternehmen.
Wer zahlt das Inkasso, wenn der Schuldner nicht zahlt?
Der Schuldner schuldet die Kosten ab Verzug, § 280 Abs. 2 BGB, aber ein Anspruch gegen jemanden, der nichts hat, bringt kein Geld. Ob Sie dann Provision, Auslagen oder nichts zahlen, steht in Ihrem Vertrag mit dem Inkassounternehmen.
Inkasso oder Anwalt – was ist günstiger?
Für das Schreiben zu einer unbestrittenen Forderung gilt für beide dieselbe Grenze von 0,9 Gebühren, Nr. 2300 VV RVG. Teuer wird es, wenn beide nacheinander arbeiten: Dann ersetzt der Schuldner in der Regel nur, was der Anwalt allein gekostet hätte, § 13f RDG.
Hemmt ein Inkassoschreiben die Verjährung?
Nein. Die Verjährung hemmt erst die Zustellung des Mahnbescheids, § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB. Wird der Antrag vor Fristablauf eingereicht und danach demnächst zugestellt, wirkt die Hemmung auf den Eingang zurück, § 167 ZPO.
Wann verjähren Schulden, die bei einem Inkasso liegen?
Genauso wie vorher. Wer die Rechnung an ein Inkasso übergeben hat, behält dieselbe Frist: Sie beträgt in der Regel drei Jahre, § 195 BGB, und beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist und Sie Forderung und Schuldner kannten, § 199 Abs. 1 BGB.
Kann ein Inkassounternehmen den Gerichtsvollzieher beauftragen?
Ja, sobald ein Titel vorliegt, etwa der Vollstreckungsbescheid. Registrierte Rechtsdienstleister für Inkassodienstleistungen dürfen in der Zwangsvollstreckung in das bewegliche Vermögen vertreten, § 79 Abs. 2 ZPO.
Gibt es einen Testsieger unter den Inkassounternehmen?
Wer ein Inkasso beauftragen will, findet keinen amtlichen Testsieger, denn einen amtlichen Test gibt es nicht. Die Prüfung, die das Gesetz verlangt, ist die Registrierung beim Bundesamt für Justiz, § 10 Abs. 1 RDG; ob ein Unternehmen eingetragen ist, zeigt das Rechtsdienstleistungsregister.
Was geschieht, wenn ich den Mahnbescheid über Sie beantrage?
Wir prüfen Ihre Angaben, ordnen die Katalognummer zu und reichen den Antrag beim zuständigen Mahngericht ein. Danach überwachen wir die Widerspruchsfrist von zwei Wochen, § 692 Abs. 1 Nr. 3 ZPO, und beantragen ohne Widerspruch den Vollstreckungsbescheid.